Krise oder Chance – eine wahre Paar-Geschichte

Solingen, 27.08.2021

 

Susanne und Wolfgang P., beide Mitte 50, sind seit Jahrzehnten verheiratet. Die Kinder sind aus dem Haus und führen mittlerweile ihr eigenes Leben. Nach so vielen Jahren des Zusammenseins setzte das ein, was viele Paare kennen: das Leben verlief in geordneten, alltäglichen Bahnen ohne wirkliche Höhen und Tiefen. Susanne und Wolfgang funktionierten. Mehr Zuwendung, mehr Wertschätzung, mehr Gemeinsames, mehr Sprechen mehr von den vielen kleinen Dingen, die in einer Partnerschaft so wichtig sind – all das fehlte Susanne. Sie fand dies bei einem anderen Mann. Doch die Bombe platzte und es kam heraus.

Stress, Streit, Hilflosigkeit

Monate zog sich die Krise hin, mit gegenseitigen Vorwürfen, aber auch tagelanger Sprachlosigkeit. Wolfgang verließ die gemeinsame Wohnung, kehrte aber wieder zurück. Das Vertrauen jedoch war nachhaltig gestört. Die langjährige Ehe stand vor dem Scheitern, eine Lösung war nicht in Sicht. Susanne und Wolfgang entschieden sich für eine Paarberatung beim Diplom – Psychologen Harro Viererbl von der Evangelischen Beratungsstelle des Diakonischen Werkes Solingen. Viel Hoffnung hatte das Paar anfangs nicht.

Intensive Therapiestunden und der Lockdown

Anderthalb Jahre haben Susanne und Wolfgang gemeinsam mit Harro Viererbl an ihrer Partnerschaft gearbeitet. Eine Entwicklung des sich langsamen Annäherns, für mehr Sprache, des Verstehens und Verzeihens begann – im Lockdown. Und der habe, so sagen sie übereinstimmend, auch noch geholfen. Susanne war im Homeoffice, Wolfgang, als Selbständiger, konnte mittags nach Hause kommen. Es gab wieder gemeinsame Mahlzeiten, Spaziergänge, mehr gemeinsame Zeit im Alltag.  Sie redeten wieder miteinander, gingen wieder aufeinander zu, fehlende Kontakte nach draußen halfen ebenso.

Familien in der Krise

Wochenlang war die Evangelische Beratungsstelle für Paare, Familien, Erziehungs- und Lebensfragen ausschließlich per Telefon und Video erreichbar. Persönliche Kontakte waren nicht oder kaum möglich. Doch alle Therapeut*innen hielten den so wichtigen Kontakt zu Klienten, teils per Video oder auch per Telefon. Im Gegensatz zu Susanne und Wolfgang hat der Lockdown, hat Corona in vielen Beziehungen oder Familien für große Krisen gesorgt. Kitas und Schulen geschlossen, Homeoffice, Jobverlust, Kurzarbeit, Geldnöte – all das hat viele Paare und Familien überfordert. Es bündele sich mehr Zuhause, so Diplom-Kunsttherapeutin Karen Bienhaus und Diplom-Pädagoge Vlad Chiorean. Es seien die klassischen Abläufe innerhalb der Familien gestört, dauernde Nähe und auch Enge hätten zu heftigen Spannungen geführt. Paar-Zeit – also Zeit sich um die Partnerschaft zu kümmern – fand nicht statt.

Kompetente Unterstützung

Menschen, die sich in der Evangelischen Beratungsstelle melden, brauchen professionelle Hilfe. Die Mitarbeiter*Innen der Beratungsstelle verfügen über therapeutische Zusatzausbildungen. Schon beim Erstgespräch gebe es eine gewisse Entlastung für die Klient*innen. Werden hier doch gemeinsam mit den Therapeut*innen die Probleme sortiert. Es brauche Mut für den ersten Schritt, denn häufig hätten Menschen nicht gelernt, miteinander zu sprechen oder es im Laufe der Jahre verlernt. Jeder bringe einen “ Rucksack “ mit in eine Partnerschaft. Die Herkunftsfamilie, der eigene Lebensgeschichte spielten ebenfalls eine große Rolle. Eine tragfähige, vertrauensvolle Arbeitsbeziehung zwischen Therapeut*innen und Klient*innen sei das Wichtigste.

Weitere Informationen finden Sie auf der Homepage:

https://diakonie-solingen.de/angebote-einrichtungen/evangelische-beratungsstelle/

Die Ev. Beratungsstelle für Paar-, Familien-, Erziehungs- und Lebensfragen befindet sich in Solingen in der Kasernenstraße 23.

Die MitarbeiterInnen sind unter der 0212 287287 und beratungsstelle@evangelische-kirche-solingen.de erreichbar.

 

Peter ist jetzt Anfang 60 und trocken. Der Alkohol und er hatten aber eine lange, gemeinsame Zeit. Peters Sucht begann – wie bei vielen Abhängigen – schleichend.

Der erste Vollrausch

Mit 13 Jahren war Peter zum ersten Mal richtig betrunken – pubertär war das, findet er heute. Das passierte immer mal wieder, es gab aber auch lange Phasen ohne Alkohol. Peter beendete die Schule und eine Ausbildung zum Werkzeugmacher. Er sei immer fleißig gewesen und nur an den Wochenenden mit den „Jungs „durch die Kneipen gezogen. Irgendwann trank er täglich – nur abends und nie Zuhause.

Mitte der achtziger Jahre war der Alkohol ein guter Freund und Peter stellte fest „ich habe nur noch Saufkumpane, aber keine richtigen Freunde mehr „. Die Frau, mit der er damals zusammenlebte, trank auch. Peter, so erzählt er, wollte seinen Körper wieder in Ordnung bringen. Die erste Entgiftung folgte, da war er knapp 30.

Peter macht seine Arbeit gerne, bildet sich weiter und überlegt zur See zu fahren. Enttäuscht, weil dies nicht klappt, kommt er zurück ins Bergische Land. Es beginnt ein Auf und Ab zwischen Entgiftungen, Therapien und abstinenten Phasen, der Drang zu trinken aber ist mächtig. Schon morgens hilft er Peter, den Tag zu überstehen und zu funktionieren.

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