Der Ganztag der Erika-Rothstein-Schule

Solingen, 01. April 2022

Manche Kinder und Jugendliche brauchen sie besonders – die wichtigen Dinge des Heranwachsens – Sicherheit, strukturierte Tage, besondere Zuwendung, Unterstützung bei der körperlichen oder schulischen Entwicklung, Wertschätzung und Verständnis. Hier an diesem Ort kümmern sich Erzieher*innen, Ergänzungskräfte, Pädagog*innen Heilerzieher*innen und Sozialarbeiter*innen darum, ihnen auf dem Weg ins Erwachsenenleben eine gute Basis zu ermöglichen. Drei Beispiele:

Rika, 7 Jahre
In ihrem jungen Alter hat Rika schon leidvoll erfahren müssen, wie sich Flucht anfühlt und wie schwer es ist, sich in einer vollkommen neuen Umgebung zurecht zu finden. Aus dem Ganztag kam sie an die Förderschule, ein schüchternes, kleines Mädchen mit nur geringen Deutschkenntnissen, das nicht sprechen wollte. Um sich auszudrücken hat sie gemalt, ganz wunderbare Bilder und damit die anderen Mädchen auf sich aufmerksam gemacht. Langsam begann sie zu sprechen und mittlerweile ist sie fest integriert, selbstbewusster und hat viel Spaß mit den anderen Kindern.

Jens, 8 Jahre
Schule bedeutete für Jens täglicher Stress. In der Klasse konnte er sich nicht konzentrieren, war mit vielen Dingen überfordert und unruhig. Seine Mitschüler stempelten ihn schnell zum Außenseiter und lehnten ihn ab. Von der Grundschule wechselte er in die Erika-Rothstein-Schule, in eine Gruppe mit 10 Kindern, die einen ähnlichen Förderbedarf haben. Parallel dazu bekam Jens eine 1zu1 Betreuung, täglich wiederkehrende Rituale, ein strukturierter Tagesablauf, positive Bestärkung seiner Person und viel Zuwendung. Nach langer geduldiger pädagogischer Arbeit ist Jens heute ein festes, an sich selbst nicht mehr zweifelndes Mitglied in der Gruppe. Ich kann das nicht, ich bin dumm, keiner mag mich – das hat er schon ganz lange nicht mehr gesagt.

Markus, 13 Jahre
Die Regelschule hat Markus hoffnungslos überfordert, er kann kaum lesen und braucht viel länger als die anderen in der Klasse, um Aufgaben zu verstehen. Das macht ihn wü-tend und äußert sich in verbaler, aber auch körperlicher Gewalt. Markus fühlt sich alleine gelassen – von allen – auch von den Eltern. Es hat gedauert, bis die Betreuer*innen ihm mit viel Geduld, Zuwendung und Wertschätzung seine Wut auf alle und alles genommen haben. Jetzt hat er Freunde, Menschen, die ihm zuhören und er fühlt sich sicher, hört zu, schlägt nicht und bringt sich in das gemeinschaftliche Leben aktiv mit vielen Ideen ein. Und die ehemals verhasste Schule? Dank des vertrauensvollen Miteinander zwischen Betreuer*innen, Eltern und ihm, hat er endlich auch Erfolge in der Schule.

Ein breites Angebot für die Kinder und Jugendlichen
Um 60 Kinder in fünf Ganztagsgruppen von 6 bis 14 Jahren bemühen sich die, Erzieher*innen, Heilerzieher*innen, Sozialarbeiter*innen, Pädagog*innen und die vielen ande-ren Mitarbeiter*innen der Erika-Rothstein- Schule. Kinder und Jugendliche mit ganz unterschiedlichen Unterstützungsnotwendigkeiten und Bedürfnissen besuchen die Einrichtung. So geht es beispielsweise um die Verbesserung der Motorik, intensive Unterstützung beim Lernen, Stärkung der Wahrnehmung und sozialer oder emotionaler Kompetenzen.

Neben diesen umfangreichen Förderaspekten sind es oft die ganz alltäglichen Dinge, die den Kindern- und Jugendlichen Struktur und Sicherheit geben: das gemeinsame Mittagessen, viele kreative Angebote, kleine Gruppen, gemeinsame Feste, Entspannungsangebote, Ausflüge in den Wald und vieles mehr.

Die Eltern sollen teilhaben
Die Elternarbeit ist ein wesentlicher Bestandteil der Arbeit im Ganztag der Erika-Rothstein-Schule. Auch sie sollen gerne kommen, ihnen wird Beratung und Unterstützung angeboten und Wertschätzung entgegengebracht. Gemeinsam wird geschaut, was die Kinder brauchen und ein Verständnis für sie entwickelt. Dort, wo alle – Kinder und Eltern- gerne hinkommen, kann Hilfe stattfinden.

Mehr dazu auf den Seiten des Ganztages der Erika-Rothstein-Schule.

Solingen, 29. Oktober 2021

Am Anfang ging alles gut

Familie Kraemer ging es gut. Herr Kraemer hatte einen festen Job, Frau Kraemer arbeitete in Teilzeit mit einem zusätzlichen Minijob. Die beiden Kinder sollten endlich jeder ein eigenes Zimmer haben, also zog die Familie in eine größere Wohnung. Eine neue Küche, Möbel für die Kinderzimmer und zuletzt wurde noch ein Auto angeschafft – alles auf Raten. Dann kam der Lockdown.

Der schnelle Weg in die Schuldenfalle

Der Minijob von Frau Kraemer war als erstes weg. Die Firma von Herrn Kraemer wurde insolvent, der Familienvater arbeitslos. Mit einem Teilzeitjob konnten die vielen Raten nicht bezahlt werden. Dazu kamen die Miete, Heizkosten, Strom – die existenziellen Sorgen der Familie wuchsen mit den Schulden. Ein Teufelskreis, aus dem die Familie alleine nicht mehr herauskam. Nach vielen Monaten voller Sorgen und Ängste holte sich das Paar endlich Hilfe bei der Schuldnerberatung.

Konkrete Hilfen in der Not

Oft warten die Menschen viel zu lange, so die Schuldnerberaterin der Diakonie Solingen, Ursula Ring, aus Scham oder auch aus dem Gefühl heraus, gescheitert zu sein. Schwer sei es auch, sich einem fremden Menschen zu öffnen. Dabei wäre es so wichtig, sich frühzeitig Hilfe zu holen. Bei den meisten Betroffenen, so die einhellige Meinung von Ursula Ring, Linda Kästner und Bettina Spürkel-Jost, gebe es schon nach einem ersten Gespräch eine große Erleichterung. Können ihnen doch die Schuldnerberaterinnen mit profunden Kenntnissen und sehr vielen praktischen Hilfen gute Wege aus der Schuldenfalle weisen.

Plötzlich schwer krank

Auch Familie Abel ist in die Schuldenfalle geraten. Der leitende Angestellte erlitt mit Mitte 40 einen schweren Schlaganfall und wurde zum Pflegefall. Dabei sah alles so gut aus: das neu gebaute Haus, in dem die drei Kinder Platz hatten, ein Garten. Der seelische und natürlich auch finanzielle Druck wuchs stetig. Frau Abel erkrankte auch und konnte nicht mehr arbeiten. Der Traum vom eigenen Haus zerbrach, die Suche nach einer behindertengerechten Wohnung erwies sich als absolut schwierig. Schuldnerberaterin Ursula Ring half aus der großen Krise, in die Familie Abel unverschuldet geraten war.

Die ersten Schritte

Zuerst verschafft sich die Schuldnerberaterin einen Gesamtüberblick. Was belastet am meisten, wie sieht es mit Ein-und Ausgaben aus. Dann trete man auch in Verhandlung mit Gläubigern und zudem werde auch ein Haushaltsplan erstellt. Es gebe viele Weg aus der Schuldenfalle und nochmals der Rat an alle, denen so langsam die Schulden „über den Kopf wachsen“.

Warten Sie nicht zu lange!

In einigen Fällen können bereits im Rahmen der Telefonsprechstunde erste dringende Fragen beantwortet werden.

Mehr Informationen

gibt es auf unserer Homepage: www.diakonie-solingen.de/angebote-einrichtungen/schuldner-und-insolvenzberatung/

 

Die Namen wurden aus datenschutzrechtlichen Gründen verfremdet. Jegliche Ähnlichkeit und Übereinstimmung mit realen Personen ist rein zufällig.

Krise oder Chance – eine wahre Paar-Geschichte

Solingen, 27.08.2021

 

Susanne und Wolfgang P., beide Mitte 50, sind seit Jahrzehnten verheiratet. Die Kinder sind aus dem Haus und führen mittlerweile ihr eigenes Leben. Nach so vielen Jahren des Zusammenseins setzte das ein, was viele Paare kennen: das Leben verlief in geordneten, alltäglichen Bahnen ohne wirkliche Höhen und Tiefen. Susanne und Wolfgang funktionierten. Mehr Zuwendung, mehr Wertschätzung, mehr Gemeinsames, mehr Sprechen mehr von den vielen kleinen Dingen, die in einer Partnerschaft so wichtig sind – all das fehlte Susanne. Sie fand dies bei einem anderen Mann. Doch die Bombe platzte und es kam heraus.

Stress, Streit, Hilflosigkeit

Monate zog sich die Krise hin, mit gegenseitigen Vorwürfen, aber auch tagelanger Sprachlosigkeit. Wolfgang verließ die gemeinsame Wohnung, kehrte aber wieder zurück. Das Vertrauen jedoch war nachhaltig gestört. Die langjährige Ehe stand vor dem Scheitern, eine Lösung war nicht in Sicht. Susanne und Wolfgang entschieden sich für eine Paarberatung beim Diplom – Psychologen Harro Viererbl von der Evangelischen Beratungsstelle des Diakonischen Werkes Solingen. Viel Hoffnung hatte das Paar anfangs nicht.

Intensive Therapiestunden und der Lockdown

Anderthalb Jahre haben Susanne und Wolfgang gemeinsam mit Harro Viererbl an ihrer Partnerschaft gearbeitet. Eine Entwicklung des sich langsamen Annäherns, für mehr Sprache, des Verstehens und Verzeihens begann – im Lockdown. Und der habe, so sagen sie übereinstimmend, auch noch geholfen. Susanne war im Homeoffice, Wolfgang, als Selbständiger, konnte mittags nach Hause kommen. Es gab wieder gemeinsame Mahlzeiten, Spaziergänge, mehr gemeinsame Zeit im Alltag.  Sie redeten wieder miteinander, gingen wieder aufeinander zu, fehlende Kontakte nach draußen halfen ebenso.

Familien in der Krise

Wochenlang war die Evangelische Beratungsstelle für Paare, Familien, Erziehungs- und Lebensfragen ausschließlich per Telefon und Video erreichbar. Persönliche Kontakte waren nicht oder kaum möglich. Doch alle Therapeut*innen hielten den so wichtigen Kontakt zu Klienten, teils per Video oder auch per Telefon. Im Gegensatz zu Susanne und Wolfgang hat der Lockdown, hat Corona in vielen Beziehungen oder Familien für große Krisen gesorgt. Kitas und Schulen geschlossen, Homeoffice, Jobverlust, Kurzarbeit, Geldnöte – all das hat viele Paare und Familien überfordert. Es bündele sich mehr Zuhause, so Diplom-Kunsttherapeutin Karen Bienhaus und Diplom-Pädagoge Vlad Chiorean. Es seien die klassischen Abläufe innerhalb der Familien gestört, dauernde Nähe und auch Enge hätten zu heftigen Spannungen geführt. Paar-Zeit – also Zeit sich um die Partnerschaft zu kümmern – fand nicht statt.

Kompetente Unterstützung

Menschen, die sich in der Evangelischen Beratungsstelle melden, brauchen professionelle Hilfe. Die Mitarbeiter*Innen der Beratungsstelle verfügen über therapeutische Zusatzausbildungen. Schon beim Erstgespräch gebe es eine gewisse Entlastung für die Klient*innen. Werden hier doch gemeinsam mit den Therapeut*innen die Probleme sortiert. Es brauche Mut für den ersten Schritt, denn häufig hätten Menschen nicht gelernt, miteinander zu sprechen oder es im Laufe der Jahre verlernt. Jeder bringe einen “ Rucksack “ mit in eine Partnerschaft. Die Herkunftsfamilie, der eigene Lebensgeschichte spielten ebenfalls eine große Rolle. Eine tragfähige, vertrauensvolle Arbeitsbeziehung zwischen Therapeut*innen und Klient*innen sei das Wichtigste.

Weitere Informationen finden Sie auf der Homepage:

https://diakonie-solingen.de/angebote-einrichtungen/evangelische-beratungsstelle/

Die Ev. Beratungsstelle für Paar-, Familien-, Erziehungs- und Lebensfragen befindet sich in Solingen in der Kasernenstraße 23.

Die MitarbeiterInnen sind unter der 0212 287287 und beratungsstelle@evangelische-kirche-solingen.de erreichbar.

 

Peter ist jetzt Anfang 60 und trocken. Der Alkohol und er hatten aber eine lange, gemeinsame Zeit. Peters Sucht begann – wie bei vielen Abhängigen – schleichend.

Der erste Vollrausch

Mit 13 Jahren war Peter zum ersten Mal richtig betrunken – pubertär war das, findet er heute. Das passierte immer mal wieder, es gab aber auch lange Phasen ohne Alkohol. Peter beendete die Schule und eine Ausbildung zum Werkzeugmacher. Er sei immer fleißig gewesen und nur an den Wochenenden mit den „Jungs „durch die Kneipen gezogen. Irgendwann trank er täglich – nur abends und nie Zuhause.

Mitte der achtziger Jahre war der Alkohol ein guter Freund und Peter stellte fest „ich habe nur noch Saufkumpane, aber keine richtigen Freunde mehr „. Die Frau, mit der er damals zusammenlebte, trank auch. Peter, so erzählt er, wollte seinen Körper wieder in Ordnung bringen. Die erste Entgiftung folgte, da war er knapp 30.

Peter macht seine Arbeit gerne, bildet sich weiter und überlegt zur See zu fahren. Enttäuscht, weil dies nicht klappt, kommt er zurück ins Bergische Land. Es beginnt ein Auf und Ab zwischen Entgiftungen, Therapien und abstinenten Phasen, der Drang zu trinken aber ist mächtig. Schon morgens hilft er Peter, den Tag zu überstehen und zu funktionieren.

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