Das Gütesiegel schafft Transparenz und stärkt Beteiligung

(v.l.n.r.) Ute Retterath, Caroline Busse, Bianca Otto, Petra Butterweck und Ulrike Kilp, Foto: Christian Beier
Vier evangelisch-diakonische Kitas in Solingen sind mit dem BETA-Gütesiegel zertifiziert worden.
Im Gespräch berichten Kita-Leitungen und Fachverantwortliche, was das Qualitätssiegel für Kinder, Eltern, Teams und die diakonische Profilierung der Einrichtungen bedeutet.
Ulrike Kilp:
Liebe Frau Otto, vier evangelisch-diakonische Kitas in Solingen sind nun mit dem BETA-Gütesiegel zertifiziert. Was haben Kinder und Eltern ganz konkret von diesem Gütesiegel?
Bianca Otto (Einrichtungsleiterin der Kita Dorp):
Für die Kinder bedeutet das Gütesiegel vor allem mehr Struktur, mehr Beteiligung und eine bewusste Reflexion unseres pädagogischen Handelns. Wir haben viele Abläufe in der Kita noch einmal neu betrachtet und weiterentwickelt. Besonders die Partizipation der Kinder ist stärker in den Mittelpunkt gerückt. Sie werden heute noch deutlicher eingebunden und erleben, dass ihre Perspektive wichtig ist.
Auch für Eltern ist durch das Gütesiegel mehr Transparenz entstanden. Sie können besser nachvollziehen, wie wir arbeiten, welche pädagogischen Ziele wir verfolgen und woran wir unsere Qualität messen. Wichtig ist außerdem: Mit der Zertifizierung verpflichten wir uns, unsere Arbeit regelmäßig zu überprüfen. Dadurch bleiben wir im Gespräch darüber, ob das, was wir tun, tatsächlich dem Wohl der Kinder und Familien dient.
„Ein bundesweit vergleichbarer Qualitätsstandard mit evangelisch-diakonischem Profil“
Ulrike Kilp:
Frau Butterweck, Sie begleiten das Handlungsfeld der Kindertagesstätten. Was genau ist das BETA-Gütesiegel und wofür steht es?
Petra Butterweck:
Das BETA-Gütesiegel beschreibt die religionspädagogische und pädagogische Arbeit in evangelischen Kitas unter Einbeziehung der gesetzlichen Standards. Es geht um Qualität, Sicherheit, Bildung, Partizipation und eine reflektierte Zusammenarbeit mit Kindern, Eltern und Mitarbeitenden. Das Besondere ist, dass das Gütesiegel bundesweit vergleichbar ist. Eine evangelische Kita, die nach dem BETA-Gütesiegel zertifiziert ist, arbeitet nach gemeinsamen Qualitätsstandards — bei aller Individualität, die jede Einrichtung selbstverständlich behält.
Ulrike Kilp:
Unterscheidet sich das BETA-Gütesiegel damit von Qualitätsstandards anderer Träger?
Petra Butterweck:
Ja und nein. Natürlich beschreibt das Gütesiegel zunächst grundlegende pädagogische Anforderungen, die alle Kitas erfüllen müssen. Darüber hinaus macht es aber unser evangelisch-diakonisches Profil sichtbar. Die christlich orientierten Werte von Kirche und Diakonie sind nicht nur ein Zusatz, sondern der Boden, auf dem unsere pädagogische Arbeit steht. Das Gütesiegel verbindet gute Pädagogik mit einer klaren Werteorientierung.
„Der Prozess hat die Teams gestärkt“
Ulrike Kilp:
Frau Busse, Sie leiten die Kita Parkstraße in Ohligs. Wie haben Sie den Qualitätsmanagementprozess als Kita-Leitung erlebt?
Caroline Busse:
Zu Beginn war der Prozess für die Teams durchaus herausfordernd. Die administrativen Anforderungen in Kitas sind in den vergangenen Jahren stetig gestiegen, und zunächst war nicht absehbar, wie viel zusätzliche Arbeit auf uns zukommen würde. Umso wichtiger war die Unterstützung durch die Diakonie. Mit Frau Braun-Stegemann hatten wir eine QM-Begleitung, die sehr wertschätzend, beruhigend und strukturiert mit den Kitas gearbeitet hat.
Die Termine waren gut abgestimmt, niemand wurde unter Druck gesetzt, und jede Kita konnte ihren eigenen Rhythmus finden. Stück für Stück haben wir insgesamt 37 Prozesse bearbeitet, im Team besprochen und verbindlich festgehalten. Dadurch entstand nicht nur ein QM-Ordner, sondern vor allem ein gemeinsames Verständnis unserer Arbeit. Das Audit am Ende war für uns eine große Bestätigung: Der mündliche Bericht war geprägt von Lob, Wertschätzung und Anerkennung für unser tägliches Tun.
Das BETA-Gütesiegel ist aus meiner Sicht ein echter Mehrwert — für Kinder, Eltern und Mitarbeitende. Es bestätigt die Professionalität unserer diakonischen Kitas und macht sichtbar, was dort jeden Tag an guter, kindorientierter und familienunterstützender Arbeit geleistet wird.
„Kinder erleben: Ich kann mitentscheiden“
Ulrike Kilp:
Frau Retterath, Sie leiten die Kita Birkerstraße. Was hat sich durch den QM-Prozess konkret positiv verändert?
Ute Retterath:
Ein gutes Beispiel ist das Mittagessen. Dieses Thema begleitet uns in der Kita schon lange, weil es den Tagesablauf strukturiert und wichtige Übergänge markiert. Durch den QM-Prozess ist die Beteiligung der Kinder hier noch einmal deutlich stärker geworden. Die Mitarbeitenden haben nicht einfach eigene Ideen entwickelt, sondern sind mit den Kindern ins Gespräch gegangen: Wie soll euer Tisch aussehen? Was ist euch wichtig?
Dabei entstanden sehr unterschiedliche und kreative Lösungen. In einer Gruppe wollten die Kinder zum Beispiel Steine in der Tischmitte haben. Andere Kinder nutzten ihre Fotos, mit denen sie sonst anzeigen, in welchem Raum sie sich befinden, als eine Art Tischkärtchen für das Mittagessen. Für uns war das eine wichtige Erfahrung: Wir müssen Kindern nicht immer fertige Ideen anbieten. Wir müssen ihnen den Raum geben, eigene Ideen zu entwickeln und umzusetzen.
Ulrike Kilp:
Was macht das mit Kindern, wenn sie solche Räume zur Mitentscheidung bekommen?
Ute Retterath:
Sie strahlen. Sie erleben sich als selbstwirksam und entwickeln sich weiter. Kinder spüren: Meine Idee zählt. Ich werde gesehen. Und das wirkt nicht nur auf das einzelne Kind, sondern auch in die Gruppe hinein.
„Aus anfänglichem Widerstand wurde ein Gewinn“
Ulrike Kilp:
Frau Butterweck, wenn Sie auf den gesamten Prozess blicken: Was nehmen Sie besonders wahr?
Petra Butterweck:
Besonders spannend war zu sehen, wie sich der Prozess verändert hat. Am Anfang gab es durchaus Widerstand und die Sorge: „Das auch noch?“ Im Laufe der Zeit ist daraus aber die Erfahrung geworden: Wir haben viel hinzugewonnen und viel gelernt. Die Wertschätzung der eigenen Arbeit und die partizipativen Prozesse haben in allen Häusern gewirkt. Für das Kindeswohl, aber auch für zufriedene Mitarbeitende, ist das ein großer Gewinn.
„Qualität gibt Sicherheit — und macht Lust auf Zukunft“
Ulrike Kilp:
Ich nehme aus diesem Gespräch mit: Wir brauchen heute Kitas, die Qualität nicht nur beschreiben, sondern im Alltag leben. Die Anforderungen an frühkindliche Bildung sind gestiegen. Umso wichtiger sind Teams, die ihre Arbeit reflektieren und ein gemeinsames Verständnis davon entwickeln, wie Kita organisiert, gelebt und gestaltet wird.
Das BETA-Gütesiegel macht sichtbar, dass Kinder in unseren Einrichtungen darin unterstützt werden, mutig, selbstbewusst und selbstwirksam groß zu werden. Zugleich ist es eine Anerkennung für die Teams, die sich auf diesen Prozess eingelassen und ihn mit Leben gefüllt haben. Dafür gilt allen Beteiligten ein herzlicher Dank — und es macht Lust auf Zukunft und auf gute Kitas in Solingen.
Anmerkung:
Kurz nach diesem Interview wurde auch die Kita Sandstraße zertifiziert, wir freuen uns über diese tolle Leistung von Frau Fischer und ihrem Team und danken allen für die hervorragende Arbeit!